Mit der Realität des Arbeitsmarktes haben die Klagen über den Fachkräftemangel in Deutschland nur wenig zu tun. Dass Unternehmen ihre Stellen nicht besetzen hat angeblich ganz andere Gründe. Es gibt aktuell einen Bewerbermarkt und wechselwillige Fachkräfte. Trotzdem werden offene Stellen nicht besetzt – am Mangel an Bewerbern scheint es nicht zu liegen. Es wurden verschiedene Gründe ermittelt, die verhindern dass Arbeitgeber und Bewerber zusammenkommen. Oftmals sind die Anforderungen an die Bewerber zu starr, mitunter sind auch die Aufgabenstellungen viel zu hoch angesetzt.

Zu hohe Anforderungen

Die Bewerber sollen ein Höchstmaß an Fachkenntnissen mitbringen, zur Wochenendarbeit bereit sein, über sehr gute Fremdsprachen-Kenntnisse verfügen und von jungen Bewerbern wird oft Reisebereitschaft gefordert. Weitere Anforderungen sind Spezialwissen, Branchen-Know-How, gut abgeschlossenes Studium und wichtige Softskills. Für all das wollen die Arbeitsgeber aber nur einstandardisiertes Tarifgehalt bezahlen. Zu wesentlich mehr Besetzungen würde eine Rückbesinnung auf die Key-Points der Stelle, realistische und praxisorientierte Anforderungen sowie die Ausgewogenheit der Anforderungen zwischen den Bewerbern und den Unternehmen führen.

Zu niedrige Gehälter

Große Konzerne machen den Fehler, dass sie Stellen für erfolgreiche Spezialisten in ein wenig Spielraum lassendes Korsett von Tarifverträgen zwängen. Oftmals wirdSpezialwissen nicht gerecht honoriert. Starre Eingruppierungen verhindern die Besetzung von offenen Stellen durch die benötigten Fachspezialisten. Die Tagessätze entwickeln sich bei Unternehmensberatungen zum Teil nicht mehr so wie früher. Auf die Gehälter der Mitarbeiter hat das nachhaltige Auswirkungen und das erkennen Bewerber sofort. Aufgrund hoher Anforderungen und hoher Reisebereitschaft wurde früher ein höheres Gehalt bezahlt. Seit einigen Jahren gibt es dieses „Schmerzensgeld“ nicht mehr, aber die Anforderungen sind gleich hoch geblieben.

Problemlösung – firmeninterne Ausbildung

Im Bereich IT gibt es leider zu viele Unternehmen die kaum eine firmeninterne Ausbildung anbieten. Früher wurden zahlreiche IT-Spezialisten in den Firmen ausgebildet, heute wird nicht mehr in eigen neue Mitarbeiter investiert, um diese im Bereich IT und SAP zu qualifizieren. Die Ausbildung wurde in den vergangenen Jahren auf Hochschulen und Universitäten verlagert. Dort ist allerdings die Gesamtausbildung zu komplex, der Zeitdruck zu groß und es mangelt an der praxisgerechten Umsetzung. Mit dem Zuzug von ausländischen IT-Spezialisten kann das Problem auch nicht optimal gelöst werden, weil sie die Firmenprozesse und –Abläufe in Deutschland nicht kennen und es mehrere Jahre dauert, bis sie sich sprachlich integriert haben.

Befristete Arbeitsverhältnisse unbeliebt

Ein weiteres Problem ist, dass Konzerne offene Stellen zu Beginn nur befristet besetzen. Berufserfahrene Bewerber in einer Festanstellung sind nicht bereit in einunsicheres Arbeitsverhältnis zu wechseln. Bei der Besetzung von Professionals sind viele Schwierigkeiten hausgemacht. Meistens liegt es nicht an einem Fachkräftemangel, sondern an überhöhten Anforderungen und dem Mangel an Flexibilität innerhalb der Firmen.